Die Ratinger Stadtbefestigung
Stadtmauer, Stadttore und Wachtürme
Befestigung der Stadt durch die Stadtmauer
Ratingen erhielt 1276 die Stadtrechte. Mit den Rechten ergaben sich auch Pflichten, von denen die wichtigste die Befestigung der Stadt war. Bis 1400 baute man Palisaden [aneinander gereihte runde Holzpfosten]
um die Stadt. Durch den Fortschritt der Waffen war man aber gezwungen, eine Stadtmauer zu bauen, welche hauptsächlich durch Zoll- und Steuerfreiheit finanziert wurde. Durch die Zoll- und Steuerfreiheit wurde
dem Amt Angerland 1341 das Grütrecht verliehen, wodurch die Bewohner jetzt verpflichtet waren, Kräuter, Getreidehülsen und Harz, die zur Bierbrauerei gebraucht wurden, nur in Ratingen zu kaufen.
Stadtmauer und Wassergraben
Die Stadtmauer war sieben Meter hoch und zwei Meter dick. Es gab eine äußere Stadtmauer und einen inneren Mauerring, welche teilweise durch einen Wehrgang verstärkt wurden. Vor der Mauer war ein acht
Meter breiter und fünf Meter tiefer Wassergraben, der nur an den Stadttoren mittels Zugbrücken überquert werden konnte. In dem Graben wurde außerdem eine Fischzucht von der Stadt betrieben.
Von der Stadtmauer existieren heute nur noch Teilstücke an den drei übrig gebliebenen Stadtbefestigungstürmen.
Die Stadttore
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts baute man das Obertor sowie das Bechemer-, Düsseldorfer- und Lintorfer Tor. Obertor und Bechemer Tor galten als erstrangig, denn nur durch sie zog der Landesherr bei
Besuchen in die Stadt ein. Das Bechemer Tor besaß als einziges drei Türme, die anderen drei Tore jeweils nur einen Turm.
Die Tore benannte man nach den Namen der Straßen, die vom Marktplatz aus durchführten. Der historische Stadtkern hat heute noch die gleiche Straßenführung wie im Mittelalter, und bildet die wunderschöne Fußgängerzone.
Das Düsseldorfer Tor und Obertor wurden 1813 abgerissen, das Bechemer Tor 1815 und das Lintorfer Tor erst 1873.
Die Wachtürme
Als ersten der ehemals 15 Wachtürme baute man 1439 den Taubenturm. Die drei folgenden Türme hat Ratingen noch behalten.
Der Dicke Turm:
Der 1460 errichtete Wehrturm steht nördlich des Zentrums, an der Turmstraße. Er ist 13 Meter hoch und hat ein ungewöhnlich dickes Mauerwerk von mehr als drei Metern.
In den Kriegszeiten diente der Turm als Geschützturm und zeitweise auch als Gefängnis.
Am Wehrturm mit den angrenzenden Mauerresten, dem Graben und der zweiten Stützmauer lässt sich die Befestigungsbauweise sehr gut nachvollziehen. Im Inneren des Turmes ist noch die originale Turmtreppe zu sehen.
Wegen seiner Ausmaße wird der Turm auch Dicker Turm oder Groter Torn genannt.
Der Kornsturm:
Der Kornsturm wurde, wie auch der Dicke Turm, 1460 errichtet. Er ist kleiner als der Dicke Turm und wurde wegen seiner Mauerstärke von nur 1,7 Metern auch der kleine Turm genannt. Den Namen Kornsturm
erhielt er, weil in der Nähe die Handwerkerfamilie "Korns" gewohnt hat.
Der Graben davor hat heute noch den Namen "Goldener Wall" oder "Joldene Kull".
Die zum Turm führende Gasse, die jetzige Brunostraße, nannte man früher Goldgasse, als hier noch Goldschmiede wohnten.
Der Trinsenturm:
Der dritte noch erhaltene Turm stammt aus dem Jahr 1474. Der Name Trinsenturm leitet sich ab von "Trense", da er im Mittelalter als Schwertlager diente. Er war zur Stadtseite offen und wurde erst im
20. Jahrhundert mit einer Bruchsteinwand geschlossen. Die Schießschartenöffnungen an den Seiten und vorne sind heute noch original erhalten.
Um einen wehrhaften Eindruck zu bekommen, bietet sich die Gelegenheit, von der Lintorferstr. bis zur Minoritenstr., parallel zur Grabenstr. und am Rathaus vorbei, den historischen Wehrgang zu betreten.
Anlässlich des 650jährigen Stadtjubiläums erhielt der Turm die Stadtfarben rot-weiß-rot.